Gefühlszustand, der auf eine eigene Handlung folgt, die ein Mensch als tadelnswert empfindet. Der erlebte Anlaß für Selbstvorwürfe kann anderen Menschen angemessen (zum Beispiel nach einem Verbrechen) oder unangemessen erscheinen (zum Beispiel die Selbstanklagen bei einer Depression). Im weiteren Sinn ist Schuldgefühl ein unklarer Gefühlszustand, der von der Empfindung persönlicher Unwürdigkeit und -t Minderwertigkeit bestimmt ist. In der Psychoanalyse spricht man darüber hinaus noch von einem «unbewußten Schuldgefühl», das als treibende Kraft (Motiv) von selbstschädigenden Verhaltensweisen (Kriminalität) zu verstehen ist. Eine Frau beginnt etwa immer dann, wenn es ihr gut geht, einen Streit mit ihrem Mann, als ob sie sich selbst beweisen müßte, daß diese Zufriedenheit und Übereinstimmung ihr nicht zustehen und nicht von Dauer sein dürfen. Es scheint, als ob eine Erleichterung darin läge, das unbewußte Schuldgefühl an etwas Wirkliches, Gegenwärtiges anknüpfen zu können. Anders als die innere, Schuldgefühle produzierende Instanz (Über-Ich) kann der beleidigte Partner wieder versöhnt werden.
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