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Psychologielexikon

Überarbeitete Ausgabe

Psychologielexikon

Ehrgeiz

Autor
Autor:
Klaus-Dieter Zumbeck

das Streben nach Leistungen, die Anerkennung finden. Dieses Streben beginnt in der Kindheit, in der es darauf gerichtet ist, »groß« zu werden. Der Knabe mißt sich dabei mit dem Vater und erhofft die Liebe der Mutter. Beim Mädchen wird die Mutter zum Vorbild und zur Rivalin, und es strebt nach der liebevollen Anerkennung durch den Vater. Oft sollen die Erfolge, die man anstrebt, das geheime Gefühl einer eigenen Minderwertigkeit überdecken. Manchmal ist man wirklich nur auf »Ehrungen« aus, selbst wenn sie nur dadurch zu erreichen sind, daß man sich vorgefaßten Regeln beugt. So wird der »Streber« manchmal zugleich zum Duckmäuser. Manchmal löst sich der Ehrgeiz von der Anerkennung durch bestimmte Personen und gilt einzig der Leistung. Aber auch hier kann ein einseitiges Streben zur Vernachlässigung wichtiger anderer Lebenswerte führen, so daß ein starrer Charakter entsteht. Wie die Entwicklung eines ordentli chen, pedantischen Charakters auf eine starke Bedeutung der analen Erotik zurückgeht, spielt beim ausgeprägt ehrgeizigen Charakter die urethrale (Harn-)Erotik eine besondere Rolle. Das liegt in der Beziehung zwischen dem Urinieren und dem Feuer begründet, das den Knaben zum Löschen mit dem Harnstrahl verführt (vgl. Pyromanie, Urolagnie). Auch das Wort vom »brennenden Ehrgeiz« erinnert ja an das Feuer. Eifersucht, im Grunde der Neid auf die Liebe, die nicht der eigenen Person gilt. Das Muster aller Eifersucht sind die Rivalitäten zwischen Geschwistern, zwischen Vater und Sohn, zwischen Mutter und Tochter. Sie werden schon entfacht, sobald es Anzeichen gibt, daß die Mutter ein neues Kind zur Welt bringen wird. Dann erwacht auch ein Drang zur »Sexualforschung« als Schaulust (Voyeurismus) im engen Zusammenhang mit einer Entblößungslust (Exhibitionismus). Dabei geht es um das Rätsel, woher Kinder kommen und welche Rolle dabei eigentlich der Vater spielt. Am Anfang wird die Eifersucht bis zur offenen, manchmal sogar gefährlichen Feindschaft. Dann folgt die Einsicht, daß das Geschwisterkind akzeptiert werden muß, wenn man die Liebe der Eltern nicht völlig verlieren will. Unter den Geschwistern entsteht eine Art Gemeinschaftsgefühl, das aber mit dem Bewußtsein der Rivalität gepaart bleibt. Die Erfahrung, daß eine Liebe, die man einst uneingeschränkt zu besitzen glaubte, geteilt werden kann, macht jedoch weiter gegen jede Art Liebe mißtrauisch. Schon vorher hat es, namentlich für den Knaben, eine Eifersucht um die Liebe der Mutter und, namentlich für das Mädchen, eine um die Liebe des Vaters gegeben. Die Rivalität mit dem gleichgeschlechtlichen Elternteil trägt wesentlich zum Konflikt im sogenannten »Oedipus« oder »Elektra«-Komplex bei. Der Knabe erlebt die Mutter (wegen ihrer Liebe zum Vater) als »untreu«, und diese Auffassung setzt sich oft im Mißtrauen des Mannes gegen »das Weib« fort. Ähnlich, wenn nicht ganz so scharf, wirkt sich für das Mädchen die »Unverläßlichkeit« der väterlichen Liebe aus. Entdeckt ein Mann, daß er Grund zur Eifersucht auf einen anderen Mann hat, richtet sich sein Zorn eher gegen die untreue Frau als gegen den Rivalen. Es kommt nicht selten vor, daß beide Männer sich gemeinsam gegen die Frau wenden, in deren Liebe sie sich vordem unwissend geteilt hatten. In der Rivalität von Männern schwingt oft eine Kameraderie mit, die von homosexuellen Tendenzen gespeist wird. Frauen sind eher zu dem Glauben bereit, sie würden über eine Rivalin auf lange Sicht schon triumphieren. Sie fürchten weniger die sexuelle Anziehungskraft einer anderen Frau als deren Fähigkeit, den Geist und die Phantasie eines Mannes zu fesseln. Sie neigen auch dazu, auf andere als erotische Interessen des Mannes eifersüchtig zu sein, etwa auf sein berufliches Engagement oder sein Steckenpferd. Recht stark entwickelt sich dagegen oft die Eifersucht des Mannes auf die Liebe der Frau zu ihrem Kind, namentlich zu ihrem Sohn, eine Einstellung, die gleichsam das Spiegelbild des »Oedipus« -Komplexes ist und ihn verstärkt. Jeder Form von Eifersucht liegt die Vorstellung zugrunde, daß die Liebe eines Menschen dauernd auf ein einziges Objekt gerichtet sein könnte. Da dies nie der Fall ist, scheint es auch immer einen Grund zur Eifersucht zu geben. Um die Liebe, die man selbst erwartet, gegen die Gefahren der Teilung zu schützen, wird manchmal das ganze Leben nach Anzeichen der Untreue »abgesucht«. So wird die Eifersucht wirklich zur Sucht, zu einer Manie, einer Krankheit. So schlimm sie den Menschen belastet, dem sie gilt, so warten doch Liebende oft auf ein Zeichen der Eifersucht, die beweisen könnte, daß ihr Liebeswert hoch eingeschätzt wird. Wer nie eifersüchtig wird, scheint liebesunfähig zu sein. Wer sich von Eifersucht zerfressen läßt, verrät damit seine tiefe Selbstunsicherheit.

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